Informationssysteme der Polizei

Die Informationssysteme der Polizei werden von Politik, Medien und Bevölkerung vollkommen überschätzt: Sie alle scheinen zu glauben, dass die Polizei über eine gigantische Datenbank mit umfassenden Auswertemöglichkeiten verfügt. Orwell 2.0 sozusagen. Tatsache ist dagegen, dass es nicht ein System gibt, sondern ein Sammelsurium von hunderten kleinerer und größerer Systeme. Manche haben im Kern eine Datenbank, andere arbeiten auf der Basis von Dateien. In die tausende gehen die ‚Workfiles‘, die mit dem in der Polizei so geschätzten Analyst’s Notebook verfertigt wurden. Und schier unüberschaubar sind die Excel-Dateien und MS-Access-‚Datenbanken‘, die IT-affine Polizeibeamte sich selbst gestrickt haben: Hilfe zur Selbsthilfe sozusagen!

Dem Föderalismus – Polizeiarbeit ist Ländersache! – ist es zu verdanken, dass sich jedes Land sein eigenes Fahndungs- und Auskunftssystem, sein eigenes Vorgangsbearbeitungssystem und sein eigenes Fallbearbeitungssystem anschaffen konnte. Bei 16 Ländern und 2 Bundespolizeibehörden, mit eigenen Bedürfnissen, kommen so 16+2 mal 3, also 54 größere Informationssysteme der 18 Polizeibehörden zusammen. Schnittstellen für die Informationsweitergabe zwischen den Systemen eines Landes sind überwiegend nicht vorhanden. Möglichkeiten zum Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Behörden?! Ebenfalls Fehlanzeige! Und zwar nicht nur aus rechtlich nachvollziehbaren Gründen. Nein, vor allem deswegen, weil bei der Anschaffung niemand darauf geachtet hat, ob die Systeme technisch überhaupt in der Lage sind, gleiche Informationen auch gleich zu behandeln. Sozusagen die gleiche Sprache sprechen. Und ohne gleiche Sprache, das sagt der gesunde Menschenverstand, ist es Essig mit der Verständigung!

Entgegen der öffentlichen Meinung von der einen, großen ‚Big Brother‘-Datenbank der Polizeibehörden, ähnelt die Landschaft der polizeilichen Informationssysteme in Deutschland den Schären vor der skandinavischen Küste . Viele Inseln, manche größer, viele klein und kaum mal eine Brücke zwischen den Inseln.

Schären / Reichmann

(C) Jürgen Reichmann

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