PIAV, Informationsmodell Polizei (IMP) und XPOLIZEI: Was ist was?

Neben den Funktionen für den Informations- und Nachrichtenaustausch müssen sich sämtliche PIAV-Teilnehmer auf ein bei allen einheitlich verwendetes Informationsmodell verständigen.

Was ist ein Informationsmodell?

Laienhaft kann man ein Informationsmodell gleichsetzen mit einer Sprache. So, wie die gemeinsame Sprache zwischen Personen dafür sorgt, dass diese sich verständigen können, sorgt ein gemeinsames Informationsmodell zwischen Datenbanksystemen dafür, dass diese die Bedeutung der Informationen in gleicher Weise verstehen. Ganz ähnlich wie in einer natürlichen Sprache, gibt es auch in einem Informationsmodell einen Wortschatz und eine Grammatik.

Mit dem Wortschatz wird vereinbart,

  • welche Art von Information im System vorkommen darf. Man nennt das technisch den Vorrat an Objekttypen, wobei ein Objekttyp den Typ für ein bestimmtes konkretes oder abstraktes Objekt bezeichnet.
    In polizeilichen Informationssystemen gibt es immer die folgenden Objekttypen:
    • Natürliche Personen,
    • juristische Personen,
    • Anschriften,
    • Straftaten und andere polizeilich relevante Ereignisse,
    • polizeiliche Maßnahmen
    • und eine Reihe von Sachen, wie insbesondere Fahrzeuge, Waffen, Projektile und Geschosshülsen, Dokumente, Ausweise, Wertgegenstände.

    Es ist unabdingbar, dass sich alle Teilnehmer auf einen einheitlichen, gemeinsamen Vorrat an Objekttypen verständigen.

  • Zu Objekten gehören Attribute, also Merkmale, mit denen ein Objekt näher identifiziert wird (Namensangaben der Person, KFZ-Kennzeichen, Tagebuchnummer, usw.) oder beschrieben wird (Größe, Gewicht, Haarfarbe einer Person, Fahrzeughersteller, -modell, usw.)
  • Für die Mehrzahl der Attributtypen kann der Erfasser den zugehörigen Begriff frei wählen und eintippen: Man denke an einen Familiennamen, das Geburtsdatum, Adressangabe eines Unfalls u.v.m.
  • Zu anderen Attributen können Auswahllisten für Begriffe angeboten werden, z.B. für Familienstand (ledig, verheiratet, verwitwet, …). Denn mit solchen Auswahllisten – „Kataloge“ genannt – kann die Qualität der Datenerfassung vereinheitlicht und verbessert werden. Und außerdem geht es häufig schneller, den passenden Begriff aus einer Liste auszuwählen, als den Begriff einzutippen.

Solche Definitionen über Objekttypen, Attributtypen und über Kataloge für Attributbegriffe werden in einem Informationsmodell definiert.

Das IMP – Informationsmodell Polizei und der Datenaustauschstandard XPOLIZEI

Besonders das Bundeskriminalamt hat sich verdient gemacht mit der Entwicklung eines gemeinsamen Informationsmodells für die deutschen Polizeibehörden. Sein Name ist IMP = Informationsmodell Polizei.

Der Verdienst besteht einerseits darin, dass mit dem IMP eine fachlich umfassende, sauber definierte und vorausschauend, d.h. auf Erweiterbarkeit angelegte ‚Ontologie‘ zur Erfassung von Informationen aus dem Arbeitsumfeld der Polizeibehörden vorliegt. [Als Ontologie bezeichnet man die Beschreibung eines Wissensbereichs (knowledge domain) mit Hilfe einer standardisierenden Terminologie.] Das ist insofern verdienstvoll, als bei den Bundesländern weder die fachlichen Kompetenzen zur Erarbeitung einer solchen Ontologie vorliegen, noch die Kapazitäten oder Ressourcen für solche Arbeiten vorhanden sind. Außerdem gibt es unter den Ländern keinen „primus inter pares“, der als Vorreiter von den anderen anerkannt würde und dessen Vorschlag man ohne (lange Diskussion) folgen würde. Diese Vorreiterrolle kann dagegen das Bundeskriminalamt aufgrund seiner Aufgaben als ‚Zentralstelle‘, wie auch aufgrund seiner entsprechenden personell-fachlichen und finanziellen Ausstattung wahrnehmen.

Verdienstvoll ist die Arbeit aber auch deshalb, weil sich das Informationsmodell Polizei am XÖV-Standard orientiert: Das ist die Sammelbezeichnung für die Datenaustauschstandards der öffentlichen Verwaltungen in Deutschland. Der Datenaustauschstandard für die Polizeibehörden heißt XPOLIZEI und das Informationsmodell Polizei (IMP) ist ein Teil dieses Standards.

Der XÖV-Standard wird auch in vielen anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung angewendet: Fachlich benachbart sind z.B. XJUSTIZ der Justizbehörden oder XMELD bei den Einwohnermeldebehörden oder XAUSLÄNDER bzw. XASYL für Asylantragsbearbeitung. Die Einhaltung des gemeinsamen Standards (als Obermenge also XÖV) soll dafür sorgen, dass Behörden aus den unterschiedlichen Verwaltungsbereichen elektronisch miteinander Informationen teilen können.

Wenn also alle diese Datenaustauschstandards schon miteinander Informationen austauschen könnten (!), dann könnte (!) die Polizei relevante Informationen weitergeben an die Staatsanwaltschaften oder könnten (!) die Meldebehörden relevante Informationen übermitteln an die Polizei. Leider hinkt auch hier – wie bei vielen IT-Projekten der öffentlichen Verwaltung – die Realisierung den Planungen und Absichten weit hinterher.

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